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Auftakt zum Projekt DOPPELTÜR in Endingen und Lengnau

In den Gemeinden Endingen und Lengnau im Aargauer Surbtal soll ein schweizweit einmaliger Vermittlungsort für die Geschichte des Judentums und das Zusammenleben von Juden und Christen entstehen. Mit dem Projekt Doppeltür wird die einzigartige Geschichte dieser Schicksalsgemeinschaft zum packenden Besuchererlebnis. Ein Verein macht es sich zur Aufgabe, die nötigen Finanzmittel zur Realisierung des Vermittlungskonzepts DOPPELTÜR zu beschaffen und eine Trägerschaft aufzubauen.

 

An einer öffentlichen Informationsveranstaltung hat ein Projektteam das Konzept zur attraktiven Vermittlung und Bekanntmachung des einzigartigen jüdisch-christlichen Kulturerbes im Surbtal vorgestellt. Initiiert und erarbeitet wurde das vom Büro imRaum, Baden verfasste Konzept durch Vertreter des Kantons, der Gemeinden Endingen und Lengnau, der jüdischen Organisationen vor Ort und des jüdischen Kulturwegs. Das Vermittlungskonzept trägt den Titel "Doppeltür". Er nimmt Bezug auf die zahlreichen Wohnhäuser in Endingen und Lengnau mit zwei Eingangstüren, je eine für Juden und Christen, die unter einem Dach wohnten.

 

Vermittlung am Schauplatz

In den Aargauer Dörfern Endingen und Lengnau nördlich von Baden ist ein reiches jüdisches Kulturerbe erhalten aus einer Zeit, als Juden und Christen vor der rechtlichen Gleichstellung der Juden auf engem Raum zusammenleben mussten. Ähnliche historische Orte sind im übrigen Europa nach dem Holocaust des 20. Jahrhunderts kaum mehr erhalten. Die aargauischen Judendörfer sind deshalb ein international herausragendes Beispiel für religiöse Koexistenz, für das Neben- und Miteinander unterschiedlicher Religionen, Kulturen und Lebenswelten.

 

Mit dem Projekt Doppeltür wird dieses einzigartige Kapitel der jüngeren Schweizer Geschichte zum packenden Erlebnis am Ort des Geschehens: Mittels sinnlicher Inszenierungen der Schauplätze jüdisch-christlicher Koexistenz und eines multimedial inszenierten Besucherzentrums ermöglicht Doppeltür faszinierende Einblicke in die aussergewöhnliche Geschichte des Surbtals. Doppeltür macht darüber hinaus das wechselvolle und für die Geschichte Europas prägende Zusammenwirken von Juden- und Christentum für breite Bevölkerungskreise erleb- und erfahrbar. Dabei bilden die historischen Ereignisse spannende Anknüpfungspunkte zu aktuellen Gegenwartsthemen wie Toleranz, Respekt, Migration und dem Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher religiöser und kultureller Herkunft.

 

Bausteine der Vermittlung

Angestrebt wird nicht ein Museumsbau, sondern eine Aufwertung der historischen Schauplätze zu einem zusammenhängenden Lern- und Erlebnisort für ein breites Publikum. Das Konzept beinhaltet neun Module, die flexibel kombinier- und schrittweise realisierbar sind. Neben einem inszenierten Doppeltürhaus, spielerischen Erlebnistouren, spannenden Hörerlebnissen in einer Synagoge soll als zentraler Vermittlungsort ein Besucherzentrum entstehen, das auf die Schauplätze einstimmt. In Kooperation mit jüdischen, christlichen und weiteren Institutionen des In- und Auslands werden dort auch Ausstellungen, Workshops und Publikumsanlässe stattfinden können.

 

Parallel zum Projekt Doppeltür erarbeitet eine Gruppe von 25 Autoren und Autorinnen aus dem In- und Ausland eine Publikation zum Thema "Jüdisches Leben im Aargau - Geschichte, Kultur, Gegenwart". Das Projekt steht unter Leitung von Prof. Dr. Jacques Picard, Universität Basel. Die Publikation zum jüdischen Kulturerbe wird durch einen Swisslos-Fonds-Beitrag des Kantons Aargau unterstützt. Das Projekt Doppeltür und die Publikation wurden unabhängig voneinander initiiert. Die beiden Vorhaben werden sich gegenseitig befruchten und die Wahrnehmung dieses wichtigen Kapitels der Schweizer Geschichte verstärken.

 

Gründung eines Vereins

Angestrebt wird eine Trägerschaft mit gesamtschweizerischer Ausrichtung. In einem ersten Schritt wird ein Verein mit Vertreterinnen und Vertretern der Standortgemeinden, jüdischer Organisationen, des Kantons und weiterer Organisationen mit Bezug zum Thema gegründet. Der Verein setzt sich zum Ziel, die finanziellen Mittel zu beschaffen, ein Beziehungsnetz und ein Patronatskomitee aufzubauen sowie die Unterstützung der Behörden von Bund und Kantonen zu erreichen. Das Projekt soll mit Geldern von privaten Stiftungen und Donatoren, aus Publikumseinnahmen und der öffentlichen Hand finanziert werden. Sobald die finanziellen und personellen Grundlagen gelegt sind, kann eine Stiftung gegründet werden. Einzelne Module des Vermittlungskonzepts können bereits in naher Zukunft realisiert werden. Dies kann im Rahmen des bestehenden Jüdischen Kulturwegs geschehen. Der Jüdische Kulturweg soll später in die Stiftung überführt werden.

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Medienmitteilung vom 27. April 2016
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Abbildungen

Roy Oppenheim, Archiv für Zeitgeschichte, Jürg Schönenberger, Susanne Holthuizen, IRAS COTIS (Karim Fawaz), Wiki Commons, Museum Aargau, Swissair.